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Die Infiorate von Spello

Ein Meisterwerk aus Blütenblättern im Herzen Umbriens

Wenn es einen Moment gibt, in dem sich Umbrien in eine lebendige Leinwand verwandelt, dann ist es die Nacht von Fronleichnam (Corpus Domini) in Spello. Stellen Sie sich vor, Sie spazieren durch mittelalterliche Gassen und finden sich plötzlich auf einem duftenden Teppich aus Millionen von bunten Blütenblättern wieder, die heilige Motive und geometrische Muster von atemberaubender Schönheit formen.
Die Infiorate von Spello sind nicht einfach nur ein Fest, sondern eine der spektakulärsten und emotionalsten Traditionen Italiens. Hier erfahren Sie alles, was Sie über die Ursprünge, den besonderen Geist dieses Events und die faszinierendsten Besonderheiten wissen müssen.

Von den Anfängen bis heute: Eine jahrhundertealte Tradition

Die Wurzeln dieses Wunders reichen weit zurück und verbinden weltliche sowie religiöse Elemente. Ursprünglich war der Brauch, beim Vorbeizug religiöser Prozessionen Blumen und Pflanzenteile auf den Boden zu streuen, in vielen Regionen verbreitet. In Spello jedoch nahm diese Tradition eine ausgesprochen künstlerische Richtung.
Heute: Das Event hat sich zu einem internationalen Wettbewerb entwickelt. Jedes Jahr entstehen rund zwei Kilometer Blütenteppiche und -gemälde, die sich durch die Straßen des historischen Zentrums schlängeln.
Der historische Ursprung: Das erste offizielle Dokument, das eine echte florale Darstellung in Spello belegt, stammt aus dem Jahr 1831.
Die Entwicklung: Was als einfaches Streuen von Blumen und Kräutern begann, wandelte sich im Laufe der Zeit. Anfang des 20. Jahrhunderts zeichnete eine einheimische Frau mit Fenchel und Ginster eine wunderschöne Figur auf die Straße. Dies entfachte einen friedlichen Wettstreit unter den Bürgern, wer den schönsten Teppich kreieren könnte.

Der Geist des Festes: Die Nacht der Blumen

In Spello schaut man sich die Infiorata nicht einfach nur an – man erlebt sie. Das wahre schlagende Herz des Festes ist die „Nacht der Blumen“ (La Notte dei Fiori), der Samstagabend vor dem Fronleichnamssonntag.
In dieser magischen Nacht schläft das Dorf nicht. Die Infioratori (Blumenkünstler, die in Gruppen organisiert sind und ihre Geheimnisse von Generation zu Generation weitergeben) arbeiten unter großen schützenden Zelten. Die Atmosphäre ist voller Energie: Einige zeichnen die Umrisse der Motive auf das Straßenpflaster, andere wählen akribisch die Farben der Blütenblätter aus, während wieder andere den Passanten einen Kaffee anbieten.
Der Geist von Spello: Es herrscht eine außergewöhnliche Harmonie zwischen den älteren Generationen, die die Kniffe des Handwerks weitergeben, und den Kindern, die ihre ersten Blütenblätter legen. Es ist ein reines Gemeinschaftswerk – anstrengend, aber erfüllt von einer ansteckenden Freude. Das gesamte Dorf duftet nach Frische, Erde und Leidenschaft.

Nicht nur Spello: Eine verbindende Tradition in Umbrien

Obwohl Spello zweifellos als Welthauptstadt dieser Kunstform gilt, ist die Tradition, Fronleichnam mit Blumen zu ehren, ein tief verwurzeltes Identitätsmerkmal, das verschiedene Orte in Umbrien verbindet – jeder mit seinen eigenen Besonderheiten.

  • Assisi: In der Stadt des heiligen Franziskus bedecken sich die Straßen der Altstadt mit Blumenteppichen, die einen mystischen und faszinierenden Kontrast zu dem typischen rosa Stein der dortigen Gebäude bilden.
  • Cannara: Bekannt für ihre kulinarischen Traditionen, verwandelt sich auch diese nahe gelegene Kleinstadt in einen Pfad aus Düften und Farben. Die Liebe zu geometrischen und religiösen Details zeugt von einer ebenso starken Hingabe.

Eine Rundreise an diesen Tagen bietet die perfekte Gelegenheit zu entdecken, wie sich derselbe Gemeinschaftsgeist und dieselbe Schönheit nur wenige Kilometer voneinander entfernt auf ganz einzigartige Weise entfalten.

Faszinierende Fakten über die Infiorate

ToUm die Komplexität und Einzigartigkeit dieses Events zu verstehen, sind hier einige Besonderheiten, die Sie ins Staunen versetzen werden:
Ein vergängliches Kunstwerk: Dies ist der poetischste Aspekt. Nach Monaten der Vorbereitung und einer ganzen Nacht voller Arbeit bleiben die Kunstwerke nur für wenige Stunden unversehrt. Am Sonntagmorgen, nach dem Vorbeizug der religiösen Prozession, zieht die Menschenmenge über die Teppiche und löst den Zauber auf.
Holz und Plastik sind streng verboten: Die Bilder dürfen ausschließlich aus pflanzlichen Elementen bestehen. Erlaubt sind frische oder getrocknete Blütenblätter, Blätter, Beeren und Samen. Der Einsatz von künstlichen Farbstoffen oder Holz ist absolut tabu.
Das Sammeln dauert das ganze Jahr: Die Arbeit beschränkt sich nicht nur auf die Festtage. Das Sammeln der Wildblumen an den Hängen des Monte Subasio und das anschließende „Capatura“ (das sorgfältige Trennen der Blütenblätter vom Kelch) dauern Monate.

Tipps für Ihre Reiseplanung

Um dieses Erlebnis in vollen Zügen zu genießen, lautet der goldene Tipp: Reisen Sie bereits am Samstagabend an. So können Sie hautnah miterleben, wie die Kunstwerke entstehen, in den typischen Tavernen des Dorfes essen und die kreative Aufregung spüren.
Der frühe Sonntagmorgen ist hingegen der perfekte Moment, um die Bilder in ihrer vollen Pracht zu bewundern und unvergessliche Fotos zu machen, bevor die Prozession beginnt.
Die Infiorate sind der Beweis dafür, dass die schönste Kunst manchmal nur so lange anhält wie ein einziger Atemzug.

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